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Das CMCS-Therapiekonzept

Die onkologische Bewegungstherapie ist ein zentraler Bestandteil der modernen Krebsbehandlung und Rehabilitation. Basierend auf dem CMCS-Therapiekonzept wird das Training individuell zusammengestellt und professionell begleitet.

Patientin trainiert unter Anleitung eines Therapeuten auf dem Laufband.

Krebstherapien wie Chemotherapie, Bestrahlung oder endokrine Behandlung sind wirksam, können aber belastende Nebenwirkungen haben. Viele Patientinnen und Patienten erleben im Verlauf ihrer Behandlung Einschränkungen, die den Alltag deutlich erschweren. Hier setzt die onkologische Bewegungstherapie an.

Ablauf der onkologischen Bewegungstherapie

Voraussetzung: ärztliche Verordnung

Der Einstieg zur onkologischen Bewegungstherapie beginnt mit einer ärztlichen Verordnung. Sie ist Voraussetzung für die Teilnahme und stellt sicher, dass die Therapie eng mit dem medizinischen Behandlungsteam abgestimmt ist.

Erstabklärung

Das Erstgespräch dient der sorgfältigen Abklärung. Die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut führt eine ausführliche Anamnese durch, um ein umfassendes Bild der Situation der Situation der Patientin oder des Patienten zu erhalten:

  • Welche Nebenwirkungen der onkologischen Behandlung sind bereits vorhanden, zum Beispiel Fatigue, Muskelschwäche, Nervenstörungen oder Gleichgewichtsprobleme?
  • Welche medizinischen Risiken müssen beim Training berücksichtigt werden, etwa Knochenfragilität, verminderte Blutzellzahl oder Herz-Kreislauf-Einschränkungen?
  • Welche Beschwerden belasten die Patientin oder den Patienten im Alltag am stärksten?

Relevante Symptome und Einschränkungen werden zusätzlich durch validierte Fragebögen dokumentiert. Die Ausgangswerte dienen als Referenz für die Verlaufsbeurteilung nach sechs Wochen und zum Therapieabschluss.

Gemeinsame Zielsetzung

Ein zentrales Prinzip der CMCS-Bewegungstherapie ist die partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making). Patientinnen und Patienten bestimmen aktiv mit, welche Ziele angestrebt werden und welcher Trainingsaufwand realistisch erscheint. Das Programm wird gemeinsam entwickelt, nicht einseitig verordnet.

Sobald die prioritären Nebenwirkungen sowie die Therapieindikationen definiert sind, erhält die Therapeutin oder der Therapeut mit Hilfe des klinischen Entscheidungsunterstützungssystems (engl. CDSS: Clinical Decision Support System) im CMCS-Portal eine Trainingsempfehlung (Präskription) basierend auf aktueller Evidenz. Die Therapeutin oder der Therapeut passt sie anschliessend anhand der eigenen klinischen Erfahrung und des aktuellen Zustands der Patientin oder des Patienten individuell an.

Fitness Testing für die richtige Dosierung

Bevor das eigentliche Training beginnt, wird die körperliche Leistungsfähigkeit gezielt erfasst. Dieser Prozess wird als Fitness Testing bezeichnet. Die Ergebnisse ermöglichen eine präzise Dosierung der Übungen: Intensität, Umfang und Steigerung werden individuell auf den Ausgangszustand abgestimmt.

Trainingsbeginn

Ab der zweiten Sitzung startet das aktive Training. Dieses ist strukturiert, personalisiert und evidenzbasiert. Das Programm orientiert sich an der erstellten Trainingsverschreibung und wird laufend an den Fortschritt und das Befinden der Patientin oder des Patienten angepasst.

Bewegung und Sport bei Krebs

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Inhalte der onkologischen Bewegungstherapie

Kraft- und Ausdauertraining

Die onkologische Bewegungstherapie setzt auf zwei wissenschaftlich fundierte Trainingsformen: Krafttraining und Ausdauertraining. Beide wirken gezielt gegen die häufigsten Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung.

Krafttraining zielt darauf ab, therapiebedingtem Muskelschwund entgegenzuwirken, Muskelkraft und Muskelmasse zu erhalten oder wiederaufzubauen und die allgemeine körperliche Belastbarkeit zu verbessern. Die Übungen werden unter kontinuierlicher Begleitung von ausgebildeten Physiotherapeutinnen und -therapeuten an spezifischen Krafttrainingsgeräten durchgeführt.

Ausdauertraining stärkt das kardiorespiratorische System und verbessert die Belastbarkeit im Alltag. Je nach Zustand und Präferenz der Patientin oder des Patienten kommen Laufband oder Veloergometer zum Einsatz. Beide Geräte ermöglichen eine präzise Steuerung der Trainingsintensität.

Ergänzende Trainingskomponenten bei spezifischen Indikationen

In bestimmten klinischen Situationen wird das Programm gezielt um weitere Trainingsformen erweitert:

Bei bestehender oder drohender chemotherapieinduzierter peripherer Neuropathie (CIPN) sowie erhöhter Sturzgefahr kommt sensomotorisches Training zum Einsatz. Gezielte Gleichgewichts- und Koordinationsübungen verbessern die neuromuskuläre Funktion und senken das Sturzrisiko.

ROM-Training (Beweglichkeitstraining) bei eingeschränkter Schulter- und Armbeweglichkeit nach Brustoperation oder Entfernung von Achsellymphknoten: Gezielte Übungen helfen, die Beweglichkeit Schritt für Schritt zurückzugewinnen und den Alltag zu erleichtern.

Dosierung nach FITT-Prinzip und progressiver Überlastung

Jede Trainingskomponente wird individuell nach den etablierten FITT-Prinzipien dosiert:

  • Häufigkeit (frequency): Wie oft wird trainiert?
  • Intensität (intensity): Wie anspruchsvoll ist das Training?
  • Dauer (time): Wie lange dauert eine Einheit?
  • Art/Form (type): Welche Übungsform wird eingesetzt?

Das übergeordnete Trainingsprinzip ist die progressive Überlastung. Die Belastung wird systematisch und schrittweise gesteigert, damit sich der Körper kontinuierlich anpassen kann.

Zu Beginn wird die Belastung bewusst niedrig gehalten. Sie wird erst erhöht, wenn die Patientin oder der Patient die aktuelle Stufe sicher und beschwerdefrei absolviert. So kann wirksam trainiert werden, ohne die Patientin oder den Patienten zu überfordern.

Zufriedene Frau sitzt nach dem Training entspannt im Fitnessraum.

Für Patientinnen und Patienten

Nach der fachlichen Abklärung in einer Partnerinstitution können Sie an eine wohnortnahe Physiotherapiepraxis im CMCS-Netzwerk überwiesen werden. Die Kosten werden von der Grundversicherung übernommen. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Bewegungstherapie für Sie sinnvoll ist.

Für Therapeutinnen und Therapeuten

Als Therapeutin oder Therapeut können Sie Teil des Netzwerks von Cancer Move Continuum Schweiz werden, indem Sie die spezifische Weiterbildung absolvieren. Diese bildet die Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte und qualitätsgeprüfte Versorgung von Menschen mit Krebserkrankungen.

Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Die Evidenzlage zeigt: Onkologische Bewegungstherapie kann den Genesungsprozess bei Krebserkrankungen unterstützen und ist in allen Behandlungsphasen sinnvoll einsetzbar. Sie ist daher nicht nur eine Ergänzung, sondern ein notwendiger Bestandteil der onkologischen Versorgung.